• Maria

Vor einem Jahr fing alles an...



Traurig


Vor genau einem Jahr wurde uns mitgeteilt, dass unser ältester

Sohn (8 Jahre alt) eine ausgeprägte Form der Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstörung hat.

Der behandelnde Kinderpsychiater sprach nicht von den vier umstrittenen Buchstaben.

Seine Worte vor einem Jahr:

„Wenn Sie für sich als Eltern eine Diagnose brauchen, dann wäre es diese. Wir sprechen allerdings von einer Aufmerksamkeitsproblematik, um Schubladen gar nicht erst zu öffnen“

Für uns alle war diese Feststellung eine Linderung, von allem was bisher gewesen war. Ich spreche hier bewusst von einem Leidensweg, denn es war ein Leidensweg. Unser Leidensweg. Mir ist wichtig, an dieser Stelle hervor zu heben, dass wir trotz allem ein bis dato glückliches und offenherziges Kind großgezogen haben. Mein Mann hat uns oft die Frage gestellt: "Glaubst du, dass es er unglücklich ist?" Eigentlich konnten wir diese Gedanken und Fragen meistens mit einem "Nein" beantworten.

Natürlich wurde er traurig und weinte, wenn es wieder mal Ärger für ihn gab oder sein kleiner Bruder ihn geärgert hatte.

Wovon wir alle betroffen waren, war das Drum Herum wie bspw. Kindergeburtstage oder Verabredungen. Zwei treue Mädels, luden ihn immer ein. Und spielten gerne mit ihm. Sie akzeptierten ihren Freund so wie er eben nun mal war. Anders liefen Verabredungen ab. Die Vorfreude war riesig, wie das Spielen ablief erfuhren wir nie, doch die Antwort war unmissverständlich: Es gab keine weiteren Verabredungen.

Die späte Kindergartenzeit, da war unser Kind etwa fünf- sechs Jahre alt war für alle eine Herausforderung. Sowohl für uns Eltern, als auch für die ErzieherInnen. Unser Kind kam aus dem Teufelskreis nicht mehr heraus. Es wütete, ärgerte, verhielt sich distanzlos und war orientierungslos. Wie können wir dir nur helfen, habe ich mich oft gefragt. Haben wir etwas übersehen?




Die schicksalhafte Abfolge schmerzhafter und enttäuschender Geschehnisse seit der späten Kindergartenzeit, bleiben vor allem in meiner Erinnerung als Mutter.

Es gab Momente, da fühlte sich das Herz schwer und der Kopf leer an. Ich konnte es phasenweise nicht stoppen, nach Gründen und Schuldigen zu suchen. Das Suchen hörte nicht auf, vor allem bei mir.

Leider habe ich mich dabei sehr lange in ein sehr hässliches Licht gestellt. Rampenlicht habe ich mir immer irgendwie anders vorgestellt. Mein persönliches Rampenlicht, das Gefühl jeder weiß was los ist, aber keiner spricht es aus oder an, hat mich erdrückt. Meinem Empfinden nach, lag etwas im Argen. Sicherlich lässt sich an meiner Stirn ablesen, dass wir versagt haben und furchtbar schlechte Eltern sind. Dieses Gefühl wuchs und stellte meinem Selbstvertrauen sehr oft ein Beinchen.

Auf den Termin beim Kinderpsychiater haben wir sechs Monate warten müssen. Es lohnt sich Informationen über den Arzt einzuholen, um fachlich und menschlich bestmöglich betreut zu werden, über diesen Kinder- und Jugendlichen Psychiater hörten wir ausnahmslos Positives.

Der Termin umfasste neben einem ersten Familiengespräch, ein Elterngespräch sowie die wesentliche Diagnostik.



Wütend

Die Zuordnung des Phänomens AD(H)S brachte einen ganzen Felsen in Bewegung. Endlich konnte ich los lassen und aufhören nach den Gründen einer falschen und dürftigen Mutterschaft zu suchen.

Nichts haben wir jemals falscher als andere Eltern gemacht, niemals waren wir leiser oder lauter als andere Eltern, zu keiner Zeit haben wir unser Kind weniger geliebt.

Recht groß war die Scham, das tabuisierte Gefühl, ein Kind mit AD(H)S großzuziehen.

Doch mit dem Wissen, das Veränderung möglich ist, die Veränderung vorzunehmen und sich auf die Transformation einzulassen, waren die ersten Schritte in eine neue und gute Richtung zusammen als Familie.

Als eine Familie, die ein wahrnehmungsstarkes und sehr sensibles Kind großzieht, Wege gefunden hat damit zu leben und es als große Chance sieht, offen damit umzugehen.



Danke für deine Aufmerksamkeit!

Alles Liebe, Maria.





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